Unerwartete Ersatzteilversorgungsprobleme

Man stelle sich mal vor, man würde sich ein Fahrrad für 1000 Euro kaufen, und nach zwei Jahren würde man sicherheitsrelevante Verschleißteile (beispielsweise Bremsbeläge) nicht mehr bekommen. Da wär aber was los… Aber: Keine Angst, wir haben sogar noch Beläge für Stempelbremsen, und die werden schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr verbaut.

Nun verlassen wir mal die Fahrradbranche. 2016 habe ich für den Laden ein Tablet (Samsung Galaxy Tab S 10.5, weil es so ein schön großes Display hat) gekauft. Da ist ein Betriebssystem namens Android drauf. So ein Betriebssystem nutzt sich in der Hinsicht ab, dass mit der Zeit immer wieder Sicherheitslücken gefunden werden, das System also immer unsicherer wird. Um es wieder sicher zu bekommen, stellt Google, von denen Android ja kommt, mittlerweile monatlich Updates zur Verfügung. Aber die kommen auf den Geräten offenbar nicht an. Mit Schrecken habe ich gestern festgestellt, dass mein Tablet auf dem Sicherheitsstand von 2016 ist, weil Samsung die Updates nicht an alle seine Geräte anpasst und weitergibt. Und das scheint offenbar bei vielen Smartphone-Herstellern gängige Praxis zu sein. Um wieder auf das Fahrradbeispiel zurückzukommen: Das Tablet (Modelljahr 2014, gekauft 2016) fährt sozusagen seit kurz nach dem Kauf mit abgenutzten Bremsen – und der Hersteller stellt keine Ersatzteile (sprich: Updates) zur Verfügung. Wenn man auf Nummer Sicher gehen will, muss man also zusehen, dass man ein Gerät kauft, das möglichst neu auf dem Markt ist und möglichst lange mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Das hätte ich nicht erwartet.

Wie ich darauf komme? Letzte Woche hat mein 5 Jahre altes Smartphone (LG E610) den Dienst quittiert. Es ist irgendwann einfach ausgegangen und lässt sich nun nicht mehr einschalten. Der Akku ist geladen – daran liegt es nicht. Im Internet habe ich leider auch keine hilfreichen Tipps gefunden. Die meisten, die in irgendwelchen Foren schreiben, Ihr Smartphone würde sich nicht einschalten lassen, haben das Problem, dass es sich sehr wohl einschalten lässt, aber die Software dann nicht richtig startet. Hilft mir alles nicht weiter.

rechts: defektes LG E610, links: reaktiviertes Smasung Galaxy S4 mini

Glücklicherweise hatte ich noch ein Samsung Galaxy S4 mini, das meine Frau nicht mehr benutzt, in meinem Schreibtisch liegen. Das habe ich reaktiviert und, weil mich dieser ganze Kram (meint: überflüssige Apps) von Google und Samsung, den ich sowieso nicht nutze, nervt, habe ich das alternative Betriebssystem LineageOS aufgespielt. Ich hatte Urlaub und dadurch ein bisschen Zeit, dies zu tun. Für jemanden, der sich schon intensiver mit Computern auseinandergesetzt hat, ist es bei diesem Gerät übrigens ein Kinderspiel. Für andere gibt es ausführliche Anleitungen. Wärend der Recherchen bin ich auf einen Artikel bei DeathMetalMods gestoßen, in dem auf die oben erwähnte Update-Problematik und den Begriff „Sicherheitspatch-Level“ aufmerksam wurde.

Folglich habe ich mir auch das Tablet mal angeschaut – und festgestellt, dass hier ein „brandaktuelles“ Sicherheitsupdate von 2016 zu finden ist… Mehr stellt Samsung nicht zur Verfügung. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Am PC (egal ob mit Linux oder Windows) bin ich mittlerweile ständige Sicherheitsupdates gewöhnt, daher bin ich davon ausgegangen, dass ein milliardenschwerer Großkonzern das bei seinen mobilen Taschencomputern (Smartphones, Tablets) auch hinbekommt. Ist aber nicht so. Ein Open-Source-Freiwilligenprojekt wie LineageOS scheint das besser auf die Reihe zu bekommen. Seltsame Welt, in der wir da leben.

Den Stand der Sicherheitsupdates eines Android-Endgeräts findet man unter Einstellungen: Geräteinformationen/Über das Telefon, Punkt: Android-Sicherheitspatch-Ebene. Die genauen Bezeichnungen können je nach Gerät etwas abweichen. Das aktuellste Sicherheitspatch, das für Android zur Verfügung steht, ist von Februar 2018.