Alle Beiträge von Philipp-D. Ullmann

Vergessen

Kurz vor Weihnachten hat hier, als ich nicht da war, jemand sein Fahrrad abgestellt und vorbildlich auch angeschlossen. Ganz offensichtlich hat es einen Platten und ich vermute, dass es hier steht, damit wir es reparieren. Nur scheint der Besitzer über Weihnachten und den Jahreswechsel vergessen zu haben, dass er sein Fahrrad noch fertig abgeben wollte. (Es hier abzustellen war ja schon der erste Schritt.) Im Moment stört es ja niemanden und es steht an einem öffentlichen Fahrradständer, so dass wir einfach mal weiter abwarten, wann es dem Besitzer wieder einfällt. Wahrscheinlich spätestens dann, wenn es draußen wieder richtig warm wird…Fahrrad am Anlehnbügel vor dem Laden angeschlossen

Unerwartete Ersatzteilversorgungsprobleme

Man stelle sich mal vor, man würde sich ein Fahrrad für 1000 Euro kaufen, und nach zwei Jahren würde man sicherheitsrelevante Verschleißteile (beispielsweise Bremsbeläge) nicht mehr bekommen. Da wär aber was los… Aber: Keine Angst, wir haben sogar noch Beläge für Stempelbremsen, und die werden schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr verbaut.

Nun verlassen wir mal die Fahrradbranche. 2016 habe ich für den Laden ein Tablet (Samsung Galaxy Tab S 10.5, weil es so ein schön großes Display hat) gekauft. Da ist ein Betriebssystem namens Android drauf. So ein Betriebssystem nutzt sich in der Hinsicht ab, dass mit der Zeit immer wieder Sicherheitslücken gefunden werden, das System also immer unsicherer wird. Um es wieder sicher zu bekommen, stellt Google, von denen Android ja kommt, mittlerweile monatlich Updates zur Verfügung. Aber die kommen auf den Geräten offenbar nicht an. Mit Schrecken habe ich gestern festgestellt, dass mein Tablet auf dem Sicherheitsstand von 2016 ist, weil Samsung die Updates nicht an alle seine Geräte anpasst und weitergibt. Und das scheint offenbar bei vielen Smartphone-Herstellern gängige Praxis zu sein. Um wieder auf das Fahrradbeispiel zurückzukommen: Das Tablet (Modelljahr 2014, gekauft 2016) fährt sozusagen seit kurz nach dem Kauf mit abgenutzten Bremsen – und der Hersteller stellt keine Ersatzteile (sprich: Updates) zur Verfügung. Wenn man auf Nummer Sicher gehen will, muss man also zusehen, dass man ein Gerät kauft, das möglichst neu auf dem Markt ist und möglichst lange mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Das hätte ich nicht erwartet. Unerwartete Ersatzteilversorgungsprobleme weiterlesen

erfüllte Prophezeiung

Gestern hat der erste Kunde bei dem Versuch, sein Fahrrad in den Laden zu bugsieren, sein Vorderrad gegen die zwei Tage zuvor eingebaute neue Scheibe gerammt.

frische Kratzer auf der Schutzfolie der neuen Scheibe

Es wäre ärgerlich, wenn jetzt die zwei Tage junge Scheibe zerkratzt wäre. Aber mit der Schutzfolie, die irgendwas zwischen 20 und 30 Euro gekostet hat, lebt es sich doch viel entspannter. Und wenn sie irgendwann zu sehr zerkratzt ist, wird sie einfach ausgetauscht.

Das war wieder mal gut investiertes Geld. Ich bin ja auch blöd… freu mich über einen Kratzer, weil er auf der Folie und nicht auf der Scheibe ist… ;)

Tür repariert

Eigentlich sollte es Anfang des Monats schon passiert sein, aber der Zulieferer hatte die Scheibe nicht rechtzeitig liefern können. Also gingen heute früh zwei Mitarbeiter des Unternehmens Kroll Bauelemente, das mein Vermieter früher schon für andere Arbeiten an diesem Gebäude beauftragt hatte,  ans Werk, um meine Ladentür zureparieren. Ich habe derweil einen Ausflug mit Fahrrad und Anhänger nach Kleinbeeren gemacht, um ein Fahrrad von einem Kunden abzuholen. Als ich wieder zurück war, war alles wieder in bester Ordnung: Die beim Einbruch Ende Oktober 2017 zerstörte Scheibe ist ersetzt und die Tür gerichtet, so dass sie auch wieder sauber schließt.

Damit nicht aus Versehen jemand durch die Tür tritt, weil er das neue Glas nicht sieht, habe ich erstmal ein Werbeplakat aufgehängt. Und damit unvorsichtige Menschen die neue Scheibe nicht mit ihren Vorderrädern zerkratzen, wenn sie ihre Fahrräder in den Laden busgieren, habe ich noch eine Kratzschutzfolie von außen angebracht. Die vorherige Scheibe sah ja dadurch, dass sie jahrzehntelang von verdreckten Fahrradreifen malträtiert wurde, schon ein wenig wie Milchglas aus. Muss ja nicht gleich wieder so werden.

Druckangabe

Die meisten Kunden sind erstaunt, wenn wir ihnen erzählen, mit welchem Luftdruck sie ihre Fahrradreifen fahren sollten. Viele haben den Reifendruck eines Autos in Erinnerung, der im Vergleich zum City-, Trekking oder gar Rennrad deutlich niedriger ist. Ich habe jedenfalls noch keinen Kunden erlebt, der gesagt hätte: „Was? Nur vier bar? So wenig?“

Manchmal ist ein empfohlener Luftdruck, in der Regel aber der Mindest- und der Maximaldruck auf der Reifenflanke angegeben. Je nach Zuladung und gewünschtem Fahrverhalten kann man dann den Luftdruck zwischen diesen beiden Werten einstellen. Für die Abhängigkeit vom Fahrergewicht haben wir sogar eine kleine Tabelle hinterm Ladentisch kleben. Vor kurzem habe ich an einem gar nicht mal so hochwertigen Reifen ein Diagramm gefunden, das dabei hilft, den richtigen Druck zu finden. Das find ich ja mal originell:

Reifen mit Luftdruckdiagramm
Diagramm auf einer Reifenflanke für den Luftdruck in Abhängigkeit von der Zuladung

Totalversagen

Die Nutzung des Fahrrads in diesem Zustand war also lebensgefährlich. Ich habe leider den Eindruck, dass jemand ohne jegliche Fachkenntnis und ohne jeden Sachverstand einen Platten an Ihrem Fahrrad behoben hat.

Es kommt ja selten vor,  dass ich zu einer Rechnung noch ein paar erklärende Worte schreibe. In der Regel steht in der Rechnung alles drin, was man wissen muss oder möchte. Noch seltener wird mein Kommentar eine ganze Seite lang. Und genau so selten muss man darin obiges Zitat lesen. Dieses gehört nämlich zu meiner bislang einzigen Rechnung, zu der auch ein Anschreiben über die Länge einer ganzen Seite gehört. Außerdem stehen dann da noch so Sachen wie „ich bin ehrlich gesagt fassungslos“ und „ich bin schockiert“ drin. Was treibt mich dazu, das in eine Rechnung zu schreiben?

Eine Kundin brachte ihr Fahrrad, das sie keine zwei Monate zuvor bei mir gekauft hatte, mit einer Reklamation zu mir: Es habe während der Fahrt plötzlich ein Geräusch gegeben, dann ein Klappern. Ein Passant habe ihr geholfen und das Klappern erstmal behoben, aber das Licht ging nun nicht mehr. Ob ich mir das mal anschauen könne. Auf den ersten Blick war nur der Nabendynamo-Stecker nicht mehr an seinem Platz. Wenn der sich vom Nabendynamo löst, kann er gegen die Speichen schlagen, was das Klappern erklären würde. Der Stecker war eigentlich von oben aufgesteckt und im Auslieferungszustand eingerastet, was ein einfaches Herunterfallen eigentlich unmöglich machen sollte. Da mir das seltsam vorkam, bat ich sie, das Fahrrad bei mir zu lassen und ein paar Tage mit einem meiner Ersatzfahrräder zu fahren. Glücklicherweise ging sie darauf ein. Übrigens sei sie ein wenig enttäuscht, da sie schon zweimal einen Platten gehabt hat. Aber glücklicherweise gibt es jemanden, den sie anrufen kann, der kam dann und hat ihr das repariert. Ich konnte ihr nur beipflichten, dass dies ein guter Service sei. Zumindest war das zu diesem Zeitpunkt noch meine Meinung. Das änderte sich ein paar Tage später, als das Fahrrad zur Ursachenforschung und gegebenfalls zur Reparatur in der Werkstatt stand.

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Werbungserfolgsüberprüfung

Dieses Jahr werde ich mal ein bisschen überprüfen, welchen Effekt welche meiner Werbeaktivitäten haben. Diese haben im Prinzip vier Bestandteile:

  1. Vierteljährliche Werbeanzeigen in Zeitungen (lokal.report, Regionalrundschau, Bäke-Courier). Direkte Kundenrückmeldungen („Ich habe Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen und fand die so toll, dass ich gleich zu Ihnen gefahren bin.“ o.ä.) gab es dazu durchschnittlich im Jahr eine. Insgesamt, nicht pro Zeitung.
  2. Die Saisoneröffnung, die ich bislang (einschließlich der Neueröffnung) jedes Jahr veranstaltet habe. Sie dient dazu, Restposten und gebrauchte Fahrräder los zu werden, was auch jedes Jahr, selbst bei suboptimalen Wetterverhältnissen, gut funktioniert.
  3. Diese Internetseite. Darauf spricht mich jeden Monat mindestens ein Kunde an, meist mehrere. Meine Lieblingsrückmeldung: „Oh, ein Fahrradladen der bloggt – das ist für mich als Nerd genau das Richtige!“
  4. Kundenzufriedenheit. Die meisten Kunden, die neu zu uns kommen, erzählen uns, dass ihnen jemand, den sie irgendwoher kennen (Familie, Freunde, Kollegen, andere Eltern im Kindergarten etc.), empfohlen hat, zu uns zu kommen, weil wir unsere Arbeit sehr gut machen, Fahrräder toll repariert haben, uns auskennen, nett sind… Das herausragendste Kompliment: „Mir hat jemand gesagt, ihr seid die Besten! Und er fährt so viel Rad, er muss das ja wissen.“

Ich überlege schon seit ein paar Monaten, ob das alles nötig ist. Gerade bei der Anzeigenwerbung habe ich den Eindruck, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Hinzu kommt, dass ich mir dann auch noch jedes Mal einen Kopf über Inhalt und Gestaltung machen muss, auch wenn ich die Gestaltung nicht selbst mache. Und das passiert dann auch meist erst kurz vor Anzeigenschluss. Das ist ein bisschen Stress, den ich nicht haben muss. Außerdem, und das finde ich besonders nervig, lockt diese Werbung andere Werbetreibende an, die finden, dass ausgerechnet ihr Produkt genau das richtige für meine Werbung wäre. Daher werde ich dieses Jahr keine Anzeigenwerbung machen.

Wegen der Saisoneröffnung habe ich am meisten mit mir gehadert. Einerseits war das in den letzten vier Jahren immer der erste Tag, an dem so richtig viel los war, wir sind viele unserer gebrauchten Fahrräder und vor allem die Restposten, die ich vom vorherigen Fahrradladen am gleichen Ort übernommen hatte und die teilweise schon zehn oder mehr Jahre alt waren, losgeworden. Andererseits steckt da immer eine Menge Vorbereitung drin, z.B. um genügend gebrauchte Fahrräder zum Termin fertig zu haben, Werbung zu koordinieren, Verpflegung zu organisieren und vieles mehr. Vorteilhaft war wiederum, dass es einen festen Termin gab, zu dem der Laden sozusagen „saisonfertig“ sein musste. Die Umsätze, die unmittelbar mit derSaisoneröffnung zusammenhängen, sind auch von Jahr zu Jahr in deutlich zweistelligen Prozentwerten gestiegen. Und so war ich hin- und hergerissen, ob wir auch in diesem Jahr eine Saisoneröffnung veranstalten. Letztlich habe ich dann die nackte Zahlen um Hilfe gefragt, die mir gesagt haben, dass diese Veranstaltung ein Verlustgeschäft ist, das mir zwar an diesem einen Tag ziemlich viel Spaß macht, ich mir aber den Stress vielleicht nicht jedes Jahr machen muss. Vielleicht nächstes Jahr zum fünfjährigen Jubiläum wieder.

Jetzt haben wir also zwei Werbeaktivitäten, die dieses Jahr nicht stattfinden. Jetzt bin ich natürlich gespannt, welchen Effekt das bringt. Meine Erwartung ist, dass es sich auf die Kundenfrequenz und damit den Jahresumsatz nicht nennenswert auswirken wird, während die Kosten niedriger ausfallen sollten. Und das Jahr sollte ein wenig entspannter sein, weil ich mich um die ausfallende Werbung nicht kümmern muss.

Die Internetseite bleibt natürlich. Das ist eine von den vielen Sachen, die mir Spaß machen. Natürlich gibt es hier noch einiges an Optimierungsbedarf. Es fehlen zum Beispiel enige Informationen über den Fahrradladen, die ganz nützlich wären. Kommt alles mit der Zeit. Wenn durch den Wegfall der ersten beiden Werbemaßnahmen Geld übrig bleibt, könnte ich es hier reinstecken. Auch wenn ich das gern alles selbst machen würde. Ich hab sowas früher ja auch mal gemacht. Aber da hatte ich auch viel Zeit dafür…

Und an der Kundenzufriedenheit arbeiten wir auch jeden Tag fleißig weiter. Das ist unbestritten die effektivste Werbung. Das durch obige Maßnahmen freiwerdende Werbebudget kann auch hier hilfreich sein, indem wir es uns damit leisten können, noch kulanter zu sein, als wir es so schon sind. Und vielleicht können wir auch noch ein paar weitere Ersatzfahrräder anschaffen.