Druckangabe

Die meisten Kunden sind erstaunt, wenn wir ihnen erzählen, mit welchem Luftdruck sie ihre Fahrradreifen fahren sollten. Viele haben den Reifendruck eines Autos in Erinnerung, der im Vergleich zum City-, Trekking oder gar Rennrad deutlich niedriger ist. Ich habe jedenfalls noch keinen Kunden erlebt, der gesagt hätte: „Was? Nur vier bar? So wenig?“

Manchmal ist ein empfohlener Luftdruck, in der Regel aber der Mindest- und der Maximaldruck auf der Reifenflanke angegeben. Je nach Zuladung und gewünschtem Fahrverhalten kann man dann den Luftdruck zwischen diesen beiden Werten einstellen. Für die Abhängigkeit vom Fahrergewicht haben wir sogar eine kleine Tabelle hinterm Ladentisch kleben. Vor kurzem habe ich an einem gar nicht mal so hochwertigen Reifen ein Diagramm gefunden, das dabei hilft, den richtigen Druck zu finden. Das find ich ja mal originell:

Reifen mit Luftdruckdiagramm
Diagramm auf einer Reifenflanke für den Luftdruck in Abhängigkeit von der Zuladung

Totalversagen

Die Nutzung des Fahrrads in diesem Zustand war also lebensgefährlich. Ich habe leider den Eindruck, dass jemand ohne jegliche Fachkenntnis und ohne jeden Sachverstand einen Platten an Ihrem Fahrrad behoben hat.

Es kommt ja selten vor,  dass ich zu einer Rechnung noch ein paar erklärende Worte schreibe. In der Regel steht in der Rechnung alles drin, was man wissen muss oder möchte. Noch seltener wird mein Kommentar eine ganze Seite lang. Und genau so selten muss man darin obiges Zitat lesen. Dieses gehört nämlich zu meiner bislang einzigen Rechnung, zu der auch ein Anschreiben über die Länge einer ganzen Seite gehört. Außerdem stehen dann da noch so Sachen wie „ich bin ehrlich gesagt fassungslos“ und „ich bin schockiert“ drin. Was treibt mich dazu, das in eine Rechnung zu schreiben?

Eine Kundin brachte ihr Fahrrad, das sie keine zwei Monate zuvor bei mir gekauft hatte, mit einer Reklamation zu mir: Es habe während der Fahrt plötzlich ein Geräusch gegeben, dann ein Klappern. Ein Passant habe ihr geholfen und das Klappern erstmal behoben, aber das Licht ging nun nicht mehr. Ob ich mir das mal anschauen könne. Auf den ersten Blick war nur der Nabendynamo-Stecker nicht mehr an seinem Platz. Wenn der sich vom Nabendynamo löst, kann er gegen die Speichen schlagen, was das Klappern erklären würde. Der Stecker war eigentlich von oben aufgesteckt und im Auslieferungszustand eingerastet, was ein einfaches Herunterfallen eigentlich unmöglich machen sollte. Da mir das seltsam vorkam, bat ich sie, das Fahrrad bei mir zu lassen und ein paar Tage mit einem meiner Ersatzfahrräder zu fahren. Glücklicherweise ging sie darauf ein. Übrigens sei sie ein wenig enttäuscht, da sie schon zweimal einen Platten gehabt hat. Aber glücklicherweise gibt es jemanden, den sie anrufen kann, der kam dann und hat ihr das repariert. Ich konnte ihr nur beipflichten, dass dies ein guter Service sei. Zumindest war das zu diesem Zeitpunkt noch meine Meinung. Das änderte sich ein paar Tage später, als das Fahrrad zur Ursachenforschung und gegebenfalls zur Reparatur in der Werkstatt stand.

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Werbungserfolgsüberprüfung

Dieses Jahr werde ich mal ein bisschen überprüfen, welchen Effekt welche meiner Werbeaktivitäten haben. Diese haben im Prinzip vier Bestandteile:

  1. Vierteljährliche Werbeanzeigen in Zeitungen (lokal.report, Regionalrundschau, Bäke-Courier). Direkte Kundenrückmeldungen („Ich habe Ihre Anzeige in der Zeitung gesehen und fand die so toll, dass ich gleich zu Ihnen gefahren bin.“ o.ä.) gab es dazu durchschnittlich im Jahr eine. Insgesamt, nicht pro Zeitung.
  2. Die Saisoneröffnung, die ich bislang (einschließlich der Neueröffnung) jedes Jahr veranstaltet habe. Sie dient dazu, Restposten und gebrauchte Fahrräder los zu werden, was auch jedes Jahr, selbst bei suboptimalen Wetterverhältnissen, gut funktioniert.
  3. Diese Internetseite. Darauf spricht mich jeden Monat mindestens ein Kunde an, meist mehrere. Meine Lieblingsrückmeldung: „Oh, ein Fahrradladen der bloggt – das ist für mich als Nerd genau das Richtige!“
  4. Kundenzufriedenheit. Die meisten Kunden, die neu zu uns kommen, erzählen uns, dass ihnen jemand, den sie irgendwoher kennen (Familie, Freunde, Kollegen, andere Eltern im Kindergarten etc.), empfohlen hat, zu uns zu kommen, weil wir unsere Arbeit sehr gut machen, Fahrräder toll repariert haben, uns auskennen, nett sind… Das herausragendste Kompliment: „Mir hat jemand gesagt, ihr seid die Besten! Und er fährt so viel Rad, er muss das ja wissen.“

Ich überlege schon seit ein paar Monaten, ob das alles nötig ist. Gerade bei der Anzeigenwerbung habe ich den Eindruck, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Hinzu kommt, dass ich mir dann auch noch jedes Mal einen Kopf über Inhalt und Gestaltung machen muss, auch wenn ich die Gestaltung nicht selbst mache. Und das passiert dann auch meist erst kurz vor Anzeigenschluss. Das ist ein bisschen Stress, den ich nicht haben muss. Außerdem, und das finde ich besonders nervig, lockt diese Werbung andere Werbetreibende an, die finden, dass ausgerechnet ihr Produkt genau das richtige für meine Werbung wäre. Daher werde ich dieses Jahr keine Anzeigenwerbung machen.

Wegen der Saisoneröffnung habe ich am meisten mit mir gehadert. Einerseits war das in den letzten vier Jahren immer der erste Tag, an dem so richtig viel los war, wir sind viele unserer gebrauchten Fahrräder und vor allem die Restposten, die ich vom vorherigen Fahrradladen am gleichen Ort übernommen hatte und die teilweise schon zehn oder mehr Jahre alt waren, losgeworden. Andererseits steckt da immer eine Menge Vorbereitung drin, z.B. um genügend gebrauchte Fahrräder zum Termin fertig zu haben, Werbung zu koordinieren, Verpflegung zu organisieren und vieles mehr. Vorteilhaft war wiederum, dass es einen festen Termin gab, zu dem der Laden sozusagen „saisonfertig“ sein musste. Die Umsätze, die unmittelbar mit derSaisoneröffnung zusammenhängen, sind auch von Jahr zu Jahr in deutlich zweistelligen Prozentwerten gestiegen. Und so war ich hin- und hergerissen, ob wir auch in diesem Jahr eine Saisoneröffnung veranstalten. Letztlich habe ich dann die nackte Zahlen um Hilfe gefragt, die mir gesagt haben, dass diese Veranstaltung ein Verlustgeschäft ist, das mir zwar an diesem einen Tag ziemlich viel Spaß macht, ich mir aber den Stress vielleicht nicht jedes Jahr machen muss. Vielleicht nächstes Jahr zum fünfjährigen Jubiläum wieder.

Jetzt haben wir also zwei Werbeaktivitäten, die dieses Jahr nicht stattfinden. Jetzt bin ich natürlich gespannt, welchen Effekt das bringt. Meine Erwartung ist, dass es sich auf die Kundenfrequenz und damit den Jahresumsatz nicht nennenswert auswirken wird, während die Kosten niedriger ausfallen sollten. Und das Jahr sollte ein wenig entspannter sein, weil ich mich um die ausfallende Werbung nicht kümmern muss.

Die Internetseite bleibt natürlich. Das ist eine von den vielen Sachen, die mir Spaß machen. Natürlich gibt es hier noch einiges an Optimierungsbedarf. Es fehlen zum Beispiel enige Informationen über den Fahrradladen, die ganz nützlich wären. Kommt alles mit der Zeit. Wenn durch den Wegfall der ersten beiden Werbemaßnahmen Geld übrig bleibt, könnte ich es hier reinstecken. Auch wenn ich das gern alles selbst machen würde. Ich hab sowas früher ja auch mal gemacht. Aber da hatte ich auch viel Zeit dafür…

Und an der Kundenzufriedenheit arbeiten wir auch jeden Tag fleißig weiter. Das ist unbestritten die effektivste Werbung. Das durch obige Maßnahmen freiwerdende Werbebudget kann auch hier hilfreich sein, indem wir es uns damit leisten können, noch kulanter zu sein, als wir es so schon sind. Und vielleicht können wir auch noch ein paar weitere Ersatzfahrräder anschaffen.

Verunziert

Samstag war alles noch in Ordnung. Sonntag war ich zwar auch kurz im Laden, um mir Werkzeuge zu holen, habe dabei aber nicht in die Richtung geschaut, in der ich heute früh folgendes gesehen habe:

Unidentifizierbare Schmiererei auf grauem Hintergrund im Torbogen
Schmiererei im Torbogen

Als mein Vermieter mir dann im Laufe des Vormittags irgendwann über den Weg gelaufen ist, habe ich ihn kurz darauf hingewiesen. Kurz nach einem Telefonat waren dann zwei nette Menschen in einem blau-weißen Auto da, die die Sachbeschädigung in ihr Tagebuch aufgenommen haben. Immerhin, meint mein Vermieter, einer der früheren Sachbeschädiger konnte so schon mal ermittelt werden…

Immerhin wurde die weiße Farbe nicht besudelt. Hoffen wir mal, dass das so bleibt.

Neujahr 2018

Ich schau mir ja gern Feuerwerk an und freue mich außerdem darüber, wenn die Leute ihren Müll wieder wegräumen. Wenn aber jemand seinen Müll einfach in der Gegend herumliegen lässt, habe ich überhaupt kein Verständnis dafür. Daher war ich etwas verärgert, dass ich am ersten Arbeitstag (2.1.) in diesem Jahr erstmal Müll beiseite fegen musste – und das obwohl niemand aus dem Haus Feuerwerk abgebrannt hat. Angesichts dessen, dass einer der Nachbarn meinte, zum Jahreswechsel wäre auf der Straße „Krieg“ gewesen, war es dann aber doch eher wenig…

zwei Feuerwerksbatterien und kleinere Feuerwerksreste, sowie zwei Fahrräder vor dem Laden
Feuerwerksreste auf der Straße vor dem Laden

Was ich schon wusste, bevor ich im Laden war, dass schon Fahrräder auf uns warteten. Auf dem obigen Foto kann man Teile von ihnen am rechten Bildrand erspähen. Auch, dass sonst soweit alles in Ordnung ist, war mir bekannt, da es sich irgendwie so ergeben hat, dass jeden Tag irgendwer aus meiner großen Familie am Laden vorbeigefahren ist: Eltern, Geschwister, auch ich selbst…

Das neue Arbeits-Jahr habe ich (neben den alljährlichen Neujahrstätigkeiten, wie z.B. Kalender tauschen) damit begonnen, meinen neuen Montageständer aufzubauen. Immerhin lag er ja schon seit Mai 2017 im Lager und ich hatte das ganze Jahr über noch keine Zeit gefunden, ihn aufzubauen. Neujahr 2018 weiterlesen

Schlauchnachfragebeobachtung

Vor ungefähr einem Jahr hat Schwalbe sein Erscheinungsbild (auch: „Corporate Identity“) ein wenig verändert. Ich finde sowas ja immer nervig, weil dann erstmal eine ganze Weile eine Mischung aus dem alten und dem neuen Design im Laden rumhängt bzw. liegt. Allerdings kann ich in diesem Fall gut beobachten, welche Schläuche wir gut oder weniger gut verkaufen, ohne ein Warenwirtschaftssystem bemühen zu müssen. „Der Schlauch“ ist ja seit etlichen Jahren ein 28er mit Fahrradventil. Entsprechend war dieses Modell auch am schnellsten auf das neue Design umgestellt. Und offenbar ist unser Schlauch-Sortiment auch gar nicht so schlecht aufgestellt.

Ein paar Ausführungen, die offenbar niemand braucht, haben wir zwar (24 und 20 Zoll  mit Sclaverand-Ventil), aber sonst sind die alten Verpackungen eigentlich nur noch bei zwei Sondergrößen (16″ für Brompton und 22″) in relevanten Stückzahlen vorhanden. Selbst in 14″ haben wir nur noch eine „alte“ Packung.

Zwei Regalfächer mit überwiegend gängigen Fahrradschläuchen
Ein Blick in das Schlauch- und Reifenregal

Destrukturierungsangebot

Einer meiner Drucker kann auch faxen (und manchmal auch Faxen machen). Hin und wieder braucht man das ja doch mal. Entsprechend habe ich, für den Fall, dass mir jemand ein Fax schicken muss, eine Faxnummer, die aber nirgendwo veröffentlicht ist und sich auch nicht durch Ausprobieren aus meiner Telefonnummer erraten lässt. Trotzdem kommt hin und wieder mal ein Spam-Fax an. Das wird dann aber nicht ausgedruckt, sondern (wie jedes andere Fax auch) von der Fritzbox empfangen und per Mail weitergeleitet. Und manchmal schau ich mir auch mal ein Spam-Fax an. Hier mal ein besonderes Prachtexemplar:

Ihr Unternehmen benötigt finanzielle Mittel, die Hausbank oder andere Kreditgeber unterstützen Sie nicht bei Ihrem Vorhaben? (…) Wir sind Unternehmensberater und Finanzsanierer – Spezialgebiet Kreditvergabe. Wir analysieren Ihre Unternehmensstruktur und schaffen Abhilfe.

(Hervorhebungen aus dem Original) Wenn man also Abhilfe von seiner Unternehmensstruktur braucht, kann man sich an die Nummer wenden, die darauf folgt. Später folgt dann auch die Konkretisierung der Zerstörung der Unternehmensstruktur. Im gar nicht mal so klein gedruckten Kleingedruckten:

(…)Zugang (…) über einen Kundenaccount. (…) Mindestlaufzeit (…) zwei Jahre (…) Die Jahresgebühr beträgt fünftausend Euro…

10.000 Euro rauszuschmeißen, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht und einem weder Hausbank noch sonstwer gibt Kredit, sollte ziemlich effektiv sein, um Abhilfe von seiner Unternehmensstruktur bzw. seinem Unternehmen zu bekommen… Gibt es echt Leute, die sowas unterschreiben?

Nicht mein Problem. Fax gelöscht, Nummer in die SPAM-Liste eingepflegt. Weiter geht’s…

Hochsaison

Wir haben ja ein halbes Dutzend Ersatzfahrräder, die den Kunden ohne Leihgebühr zur Verfügung gestellt werden, die ein Fahrrad mit einem Defekt bei uns stehen lassen müssen, aber auf das Fahrrad angewiesen sind. Im Frühjahr/Sommer kommt es mal vor, dass alle Ersatzfahrräder unterwegs sind. Aber nicht nur dann. Gestern hatten wir noch genau ein Ersatzfahrrad vorrätig. Das mag vielleicht überraschend klingen. Eigentlich ist es aber logisch, da in der derzeitigen Jahreszeit der Anteil derer, die mit dem Fahrrad unterwegs sind und kaum oder gar nicht darauf verzichten können, höher ist als im wärmeren Teil des Jahres.

Einzelnes Ersatzfahrrad an einer Atelle, an der sonst mindestens zwei stehen.
einsames Ersatzfahrrad

Zum Abend hin hat sich der Bestand aber ein wenig erholt.